Mein Lieblingsadlerhorst

Lage, Lage, Lage. Das kleine Refuge de l’Aigle im französischen Nationalpark Écrins punktet mit einer spektakulären Lage und einem grandiosen Gipfelpanorama. Fotograf und Outville Kontributor Ziggy Dox stellt seine Lieblingshütte in der Dauphiné vor.
Text & FotosZeger Dox

Das Refuge de l'Aigle liegt in der wilden Hochgebirgslandschaft des französischen Nationalparks Écrins, auf 3.450 Meter Höhe. Spektakulär thront die kleine, bewirtschaftete Hütte auf einem Felssporn, umgeben vom Tabuchet-Gletscher, mit Blick auf die imposante La Meije und weit hinunter ins Freeride Paradies La Grave und das Romanche-Tal. Der Nationalpark Écrins gilt mit seinen mehr als 150 Gipfeln über 3.000 Meter und einer Gletscherfläche von rund 10.000 Hektar als wahres Paradies für Outdoorsportler und Bergsportlerinnen.

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Es gibt viele Dinge, die eine Hütte zu einer besonderen Hütte werden lassen, aber nur eine bestimmte Kombination aus Dingen macht aus einer besonderen Hütte eine wirklich außergewöhnliche und ikonische: Es ist die Kombination aus Lage, Geschichte, Größe, Handwerkskunst, Höhe, Architektur, Gletscherumgebung und dem anspruchsvollne Zustieg. Das Refuge l'Aigle erfüllt alle diese Kriterien und zählt deshalb für mich zu den beeindruckendsten Hütten in den Alpen.

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Die erste Hütte wurde 1910 erbaut und 1986 um eine Küche und ein kleines Atelier für den Hüttenwart erweitert. 2014 entschied man sich die gesamte Hütte abzubauen, um sie schließlich von Grund auf neu zu errichten. Die alten Holzbalken wurden erhalten und im Inneren des neuen Gebäudes als Hommage an die Vorgängerhütte wieder verwendet. Es gibt nur einen Gemeinschaftsraum, in dem sich drei Schlafkojen befinden, in denen insgesamt 34 Alpinisten Unterschlupf finden. Direkt vom Esstisch aus klettert man über kleine Leitern hinauf in die kuscheligen Kojen. Vom Balkon der Hütte aus blickt man im Osten auf die tiefen Gletscherspalten des Glacier de l'Homme, wo sich Alpinistinnen im Zickzack zwischen den Rissen des blauen Eises hinauf schlängeln.

Es gibt zwei Hauptzustiege, über die man die Hütte erreichen kann. Die einfachere Route (F-schwer) startet als Wanderung in Villar-d’Arêne an der Brebis Brücke und geht dann in eine Gratkletterei über, bevor man die letzten zwei Stunden über den Tabuchet Gletscher marschiert, um schließlich nach rund fünf Stunden und 1.800 Höhenmeter die Hütte zu erreichen.

Die anspruchsvollere Route führt von der Promontoire Hütte über die 3.983 Meter hohe La Meije und den gesamten Grat. Dieser Aufstieg ist allerdings nur Experten vorbehalten und wird als D+ (difficile) eingestuft. Die meisten brauchen für diesen langen und anspruchsvollen Aufstieg über zehn Stunden. Im Winter, wenn es die Bedingungen erlauben, steigen einige Skitourengeherinnen direkt vom Dorf La Bérarde aus über den Tabuchet-Gletscher hinauf auf die La Meije.

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Aigle bedeutet Adler auf Französisch, und die Hütte trägt zu Recht diesen Namen: Wenn man oben auf der Hütte ist, fühlt man sich frei wie ein Adler in seinem Horst. Es ist mein persönlicher Lieblingsadlerhorst, den ich in den letzten vier Jahren mehrfach aufgesucht habe – zu Fuß oder mit Tourenski. Davon stammen auch all die Fotos, die ich mit meiner analogen Kamera aufgenommen habe.



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Zeger, von allen Ziggy genannt, ist in der belgischen Region Flandern (Antwerpen) aufgewachsen und mittlerweile wohnhaft in Amsterdam. Von klein auf ist er von allem begeistert, was mit Rollen und Gleiten zu tun hat - egal ob Biken, Skifahren, Segeln, Surfen, Klettern oder Skaten. Auch wenn er weit weg von Bergen und Wellen lebt, so nutzt er jede Gelegenheit, kleine wie große Abenteuer draußen in der Natur zu erleben, sei es auf seinen unzähligen Wochenend Trips oder aber auch größeren Unternehmungen in die entlegensten Ecken. Immer mit dabei ist seine analoge Kamera, mit der er all seine Erlebnisse und Eindrücke festhält.

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